Soziale Fassade
Nicht die Architektur steht im Vordergrund, sondern ihr Gebrauch – Das Gebäude als „Bühne des Wohnens“
Das Haus als Ganzes bildet lediglich ein Rahmenwerk, sozusagen eine Bühne, die erst durch die Inanspruchnahme seiner Bewohner:innen, also durch das eigentliche „Schauspiel“, mit Inhalt gefüllt wird. Die persönliche und individuelle Aneignung der Flächen ist dabei ausdrücklich gewünscht. Damit wird der Charakter des Gebäudes und sein äußeres Erscheinungsbild in erster Linie durch die Belebung durch die Bewohner:innen geprägt.
Nicht die Lesbarkeit bzw. der Wiedererkennungswert einer visuellen, architektonischen Handschrift steht im Vordergrund, sondern der Gebrauch eines Gebäudes – erst damit erfährt ein Konzept seine volle Entfaltung. Das Unvorhersehbare wird dabei nicht nur akzeptiert, es wird vielmehr zum Bezugspunkt gemacht. Das Ergebnis ist ein offenes Konzept, das der Lebendigkeit, Dynamik und Vielfalt der modernen Gesellschaft Rechnung trägt und diese gleichzeitig abbildet.
Anstatt den Bewohner:innen durch gestalterische Maßnahmen in irgendeiner Weise Grenzen zu setzen, ist es unsere Aufgabe als Planer:innen, ihren Nutzungsradius so weit wie möglich zu erweitern. Es geht uns darum, die Mittel, Bedingungen und Möglichkeiten herzustellen, dass jedes Individuum in Eigenregie sein/ihr Umfeld gestalten und nach Bedarf, Lust und Laune auch wieder umgestalten kann. Ziel ist nicht, ein bis ins letzte Detail zwar gestalterisch durchkomponiertes, letztlich aber starres Gebäude zu realisieren, sondern die Bewohner:innen anzuregen und anzuleiten, ihren Spielraum beim Bewohnen des Gebäudes optimal auszunutzen. Diese Gestaltungsfreiheit findet freilich immer in einem klaren, funktionsfähigen Rahmen ihren Ausdruck.






